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Gedenke - vergiss nie! Die Synagoge zur Zeit des Hitler Regimes Am 9. November 1938 zerstörten die Faschisten das Innere der Synagoge. Nach der Restaurierung 1983-1986 wird hier wieder Gott geehrt.

Gedenke - vergiss nie!

Aus einem Bericht der Zeitschrift "Wort und Werk", 10. Oktober 1988 Die Progromnacht vom 9. und 10. November 1938, als überall in Deutschland durch die  Hände der Hitler-Schergen die Synagogen in Flammen aufgingen und die  Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte zerklirrten, diese "Reichskristallnacht" war der  Beginn jener gezielten grausigen Judenverfolgung, an deren Ende der Tod von sechs  Millionen Juden in den Gaskammern der faschistischen Konzentrationslager stand. Die Nacht  des Faschismus ist überwunden, 1945 wurde unser Volk von der Hitlerherrschaft und ihrer  Kriegs- und Todesmaschinerie befreit. Doch jenes Geschehen vor sechzig Jahren bleibt eines  der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte. Zum 50. Jahrestag der Progromnacht galten neben einer Sondersitzung der Volkskammer der DDR vielerorts in unserem Lande  Veranstaltungen und Kundgaben mahnenden Gedenkens. In Schönebeck/Elbe gab es dazu ein Ereignis, das gerade für uns  Geschichte wie mahnendes Gedenken gleichsam handgreiflich machte. Am SCHALOM-Haus unserer dortigen Evangelisch-  Freikirchlischen Gemeinde wurde in Anwesenheit von Vertretern aller Kirchen der Stadt, der Synagogengemeinde Magdeburg, der  örtlichen Staatsorgane und Parteien sowie der Gemeinde selbst ein Gedenktafel mit folgender Aufschrift  angebracht: Gedenke- vergiss nie! Am 9. November 1938 zerstörten die Faschisten das Innere der Synagoge. Nach der Restaurierung 1983-1986 wird hier wieder Gott geehrt.  Seit dem Mai 1986 ist die ehemalige Schönebecker Synagoge die Gottesdienst- und Versammlungsstätte  unserer dortigen Gemeinde. Über die Wiedereinweihung berichteten wir seinerzeit. Aber an der Geschichte  dieses Hauses wird etwas von dem ablesbar, was uns der Jahrestag jener Novembernacht für Gegenwart  und Zukunft mahnend und verpflichtend ins Gedächtnis schreiben will.  Von 1877 bis zu der Pogromnacht von 1938 war die Synagoge die Kultstätte der Schönebecker Jüdischen Gemeinde, in der etwa 120  Menschen zu Sabbatfeiern und Gottesdiensten zusammenkamen. In jener Nacht vor fünfzig Jahren dann wurde der Friede des Hauses und seiner Gemeinde auf teuflische Weise zerstört. Nazitrupps und von ihnen aufgehetzte Jugendliche verwüsteten johlend die  Inneneinrichtung und entweihten den Kultraum, indem sie ein lebendes Schwein - für den jüdischen Glauben das verabscheute  Sinnbild der Unreinheit - an einen Leuchter hängten und einen Brand legten. Nur die Furcht vor dem Übergreifen des Feuers auf die  Nachbarhäuser führte dazu, dass der Brand wieder gelöscht wurde. So blieb das Gebäude erhalten; doch wiederholte sich  buchstäblich, was schon im 74. Psalm beweint wurde: „Sie zerschlagen all sein Schnitzwerk mit Beilen und Hacken... Sie sprechen in  ihrem Herzen: Lasst uns sie ganz unterdrücken! Sie verbrennen alle Gotteshäuser im Lande...“ Zwei mündliche Berichte aus Schönebeck von damaligen Zeitzeugen: „Am 11. November 1938 musste sich unsere Klasse, etwa 30  zwölfjährige Jungen, vor der Synagoge aufstellen. Wir mussten die restlichen, noch nicht ganz zerstörten Scheiben einwerfen. Dann  stürmten wir hinein, um das schon Zerstörte noch weiter zu zerstören. Ein großes blaues Plakat mit Hetzparolen gegen die Juden  wurde an der Fassade angebracht, alle Davidsterne sowie die hebräische Inschrift zerstört, ebenfalls der Davidstern auf der Kuppel.“  - „In der Synagoge wurde laut gejohlt und gebrüllt. Spottlieder auf die Juden wurden gesungen. An einem Leuchter hing ein Schwein.  An einem anderen Leuchter schwang sich ein HJler mit einem Seil hin und her.“  Das Synagogengebäude musste dann dazu herhalten, die jüdischen Bürger der Stadt hier zu ihrem Abtransport in die  Konzentrationslager zu arrestieren. Kein einziges Mitglied der damaligen Synagogengemeinde lebt heute mehr in Schönebeck. 1940  wurde das Gebäude für die Dessauer Junkers-Flugzeugwerke beschlagnahmt, die hier Teile für die von ihnen produzierten  Luftwaffenbomber lagerten. In einer Rathaus-Notiz vom 30.12.1940 ist festgehalten, die Beschlagnahme sei finanziell dahin  „geregelt“, dass die Firma Junkers eine monatliche Entschädigung von 50,- RM zahlt: „Die Judengemeinde erhält eine  Anerkennungsgebühr von 1,- RM monatlich. Die restlichen 49 RM werden einem besonderen Fonds zugeführt, über dessen  Verwendung meinerseits nur im Einvernehmen mit dem Kreisleiter der NSDAP bestimmt werden soll.“  Als Anfang Mai 1945 das Kriegsende nahe war hatten amerikanische Truppen Magdeburg besetzt und forderten Schönebeck auf, sich  zu ergeben. Die in der Stadt verbliebenen führenden Nazis aber lehnten das ab, sprengten die Elbbrücke als Zufahrt und  verbarrikadierten die Ortseingänge, bewaffneten Kinder und Greise als „Volkssturm“ und verlangten, Widerstand zu leisten. Zweimal  verlängerten die Amerikaner das Übergabeultimatum um je einen Tag. Der Bürgermeister Dr. Bauer und der Katholische Kaplan Jäker  verhandelten unterdessen hinter dem Rücken der Nazimachthaber mit dem amerikanischen Kommandanten, um die Stadt vor  Stürmung und Zerstörung zu bewahren. Sie erklärten die Kapitulation der Stadt, so dass Schönebeck kampflos eingenommen wurde.  Und nun die bewegenden Sätze des Kommandanten, die die Geduld des herangerückten US-Regiments erklären: „Wir wollten  Schönebeck nicht zerstören. Meine Vorväter lebten hier. Sie waren Juden und gehörten zur Schönebecker Synagogengemeinde. Meine Sehnsucht war es, in ihrer Synagoge zu beten und ihre Gräber auf dem Friedhof zu besuchen.“ Hatte Schönebeck sein Überleben und  seinen Fortbestand der Tatsache zu verdanken, dass sich in seiner Mitte einmal eine jüdische Gemeinde befand, obwohl deren letzte  Generation verschleppt und hingemordet worden war? Die jüdische Gemeinde war 1945 ausgelöscht. Und die Synagoge blieb für Jahrzehnte nur einfach ein Gebäude, das für verschiedene,  seiner eigentlichen Bestimmung entfremdete Zwecke genutzt wurde. Doch die Geschichte Gottes mit diesem Haus war nicht zu Ende.  Es erhielt seine Bestimmung zurück: Gott wird hier wieder geehrt. Das prophetische Wort, von der Jüdischen Gemeinde 1877 bei der  Einweihung der Synagoge in die Fassade graviert, erfüllt sich auf neue Weise: „Dies sei ein Bethaus für alle“ (Jesaja 56, 7). Durch  welches Dunkel hindurch, über welchen Abgrund hinweg es zu dieser Erfüllung gekommen ist, kann dabei nie vergessen werden. Auch unsere Evangelisch-Freikirckliche Gemeinde war sich dessen bewusst, als sie Anfang 1983 das Gebäude übernahm. Ende der  siebziger Jahre, als mit der Sanierung von Schönebecks Altstadt begonnen wurde, musste die Gemeinde neue Räume für sich  suchen; denn um den Hinterhof in der Steinstraße 6, wo der damalige Gemeindesaal lag, hätten die Bauarbeiter keinen Bogen  machen können. Die leerstehende Synagoge bot sich als Lösung geradezu an, nicht nur im Hinblick auf die Räumlichkeit als solche,  sondern als ein Haus, in dem wieder Gottes Ehre wohnen und das wieder mit Leben erfüllt werden sollte. In den Gesprächen mit der  hier sachwaltenden Magdeburger Synagogengemeinde fand man für das Vorhaben nicht nur offene Ohren, sondern unterstützendes  Entgegenkommen. So stand unsere Gemeinde nach dem Erwerb des Hauses vor einer dreijährigen Aufbau- und Restaurierungsarbeit  - eine gewaltige Herausforderung sowohl von der geschichtlichen als auch von der bautechnischen und arbeitsmäßigen Seite her,  unter großen Opfern an Geld, Zeit und Einsatz bewältigt. Das dabei entstandene Gemeindehaus erhielt den Namen SCHALOM-Haus. Und nicht nur der Name - nach dem jüdischen Friedensgruß, der den Wunsch für Heil und Wohl und Gottes Segen einschließt -  erinnert an den Ursprung. Auch bei der Restaurierung wurden die Hinweise auf die erste Zweckbestimmung des Bauwerkes bewahrt.  So verweist ein Faltblatt der Gemeinde darauf, dass die Säulen am Hauptportal (vgl. Bild) und die geschnitzte Säule an der  Eingangstür (Säulen kehren in der Kunst des Tempels und später der Synagogen immer wieder als Ausdruck einer tiefen Symbolik)  ihre Erklärung im Alten Testament finden: 1. Könige 7, 13-21; 2. Chronik 3, 15-17; 4, 12. Im Vorraum des Gemeindehauses weist ein  Davidstern mit der hebräischen und deutschen Inschrift „Jesus“ auf die Verwurzelung des Christentums im Judentum hin. Die  achteckige Kuppel wird von einem Kreuz und vier Davidsternen gekrönt. Vieles bei der Innengestaltung und -ausstattung nimmt  gleichsam den Gedanken des Apostels Paulus in Römer 11, 24 auf, wo er das Judentum mit einem  Lebensbaum vergleicht, der in Gottes Quellengrund verwurzelt ist; in diesen Baum ist die Christenheit  hineingepfropft. Die Schönebecker Gemeinde hat sich für Ihr SCHALOM-Haus ein Signum geschaffen, das „Taube - Säule -  Wasser“ versinnbildlicht. Die Taube verweist auf den heiligen Geist, der nach der Himmelfahrt Christi  Gottes Geschenk für alle Menschen ist, die sich Gott öffnen. Die Säule (im Signum ist ein Kapitell, ein  Säulenabschluss, dargestellt) ist als Symbol für den Tempel zugleich ein Zeichen für die Synagoge wie für  die Gemeinde. Das Wasser deutet auf die Taufe hin (wobei die drei stilisierten Wellen auf die Dreieinigkeit  Gottes weisen, in deren Namen eine Taufe geschieht). Das Signum möchte Ursprung (Synagoge) und  jetzige Bestimmung (Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus, dem Friedensfürsten und Friedensbringer) miteinander  verbinden. Es drückt aus, dass das SCHALOM-Haus, die ehemalige Synagoge, in unserer Zeit, fünfzig Jahre nach der schmählichen  Schändung der Synagogen in unserem Land, ein Symbol der jüdisch-christlichen Verständigung sein darf, ein Wiederaufgerichtetes  Zeichen der Liebe und Weisheit Gottes. Judy Urmann, eine jüdische Frau aus Denver (USA), die 1941 aus Schönebeck emigriert war,  besuchte im Juli 1987 die Heimatstadt und das SCHALOM-Haus. In einem Brief vom 21.10.1987 schrieb sie: “Ich war überrascht, wie  wunderbar die ehemalige Synagoge hergerichtet ist und dass sie wieder als Gotteshaus genutzt wird. Ich sah sie das letzte Mal als  Elfjährige am 10. November 1938. Alle Fenster waren zerbrochen, die Türen waren offen, und drinnen wurde gewütet... Sehr erfreut  bin ich über den Namen SCHALOM-Haus. Dazu habt Ihr unseren Segen. Ich wünsche Ihrer Gemeinde und dem SCHALOM-Haus das  Allerbeste.“

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